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Berufspolitischer Beitrag
   

  "Abwarten, wie sich das Modell bewährt"

Anlässlich der jüngsten Entwicklungen im Gesundheitswesen hat Health-Network Oliver F. Bader interviewt, Agent der Signal-Iduna-Gruppe, Filialdirektion Berlin. Bader, 35, ist gelernter Finanzkaufmann. Seine Spezialgebiete: Finanzanalytik, gesetzliche und private Krankenversicherungen.

HN: Die TK testet im nächsten Jahr ein Selbstbehalts-Modell. Wie werden die anderen gesetzlichen Krankenkassen reagieren?

Bader: Es gibt viele Maßnahmen, die sich die gesetzlichen Krankenversicherer überlegen. Sie orientieren sich dabei an den privaten Versicherern. Zum Beispiel wird es bald die Vernetzung von Krankenversicherung, Arzt und Patient geben, was wünschenswert ist. Ziel der Kalkulationen sind Beitragsentlastung auf der einen und mehr Beitragseinnahmen auf der anderen Seite. Die gesetzlichen Kassen sind ja, im Gegensatz zu den privaten, nicht über den Gesundheits- oder Krankheitszustand ihrer Patienten informiert. Im staatlich regulierten Gesundheitswesen gibt es leider keine Transparenz, die Gesetzlichen rechnen allein mit der Kassenärztlichen Vereinigungen ab.

HN: Werden weitere Selbstbehalts-Modelle folgen?

Bader: Der Trend geht zur kapitalgedeckten Versorgung bzw. kapitalgedeckten Krankenversicherung. Das heißt: Viele Versicherer werden eine durchgängige, bei allen gleiche medizinische Grundversorgung anbieten. Es wird zu verschiedenen Wahl-Leistungen kommen, so dass man per Beitrag dazubuchen kann, und es wird verschiedene Selbstbehalte geben.

HN: Im nächsten Frühjahr schon?

Bader: Wohl nicht, die Wettbewerber werden abwarten, wie sich das Modell der TK bewährt. Bisher haben wir im Gesundheitswesen von Jahr zu Jahr gelebt. Sollte das Selbstbehalt-Modell ankommen, werden wir womöglich eine Verjüngung des Versicherungmarktes erleben: Viele Anbieter werden verschwinden. Das ist auch vernünftig, wir brauchen keine hunderte von Betriebskrankenkassen, wir brauchen wenige Leistungstarke.

HN: Das könnte die pflichtversicherten Bürger stark verunsichern . . .

Bader: Die politischen und wirtschaftlichen Kräfte in Deutschland sind so stark, dass wohl keine Entscheidungen gegen die Patienten getroffen werden. Wer sich weiterhin eine Krankenversicherung ohne Selbstbehalte wünscht, wird sie bekommen, möglicherweise sogar zum gleichen Beitrag wie jetzt. Aber die freiwillig Versicherten, die relativ hohe Beiträge zahlen für fast gleiche Leistungen, haben ein Modell verdient, das sie entlastet. Wer an die Beitragsbemessungsgrenze stößt und zu privaten Anbietern wechseln könnte, wo die Prämien nach subjektiven Risiken wie Alter, Gesundheitszustand und Selbstbehalte bewertet werden, soll daran gehindert werden. Die TK weiß genau: 80 Prozent der freiwillig Versicherten könnten von heute auf morgen wechseln. Wäre das Risiko zu groß, hätte man sicher ein anderes Beitrags-Szenario kalkuliert.

HN: Falls die Selbstbehalt-Modelle nicht die Erwartungen erfüllen - welche Instrumente stehen dann noch zur Verfügung?

Bader: Die Impulse müssen zunächst von der Bundesregierung gesetzt werden. Ich halte ein Sondierungsjahr für das Vernünftigste, in dem sich alle Interessens-Gruppen an einen gemeinsamen Tisch setzen und einen Konsens erarbeiten. Selbstverständlich dürfen diejenigen, für die das Gesunsdheitssystem letztlich gemacht ist, nicht fehlen: die Patienten.

HN: Zu welchen Entscheidungen wüden Sie der Bundesregierung raten?

Bader: Erstens: die Interessen der Patienten mehr berücksichtigen. Zweitens: die Umlagenfinanzierung auf kapitalgedeckte Versorgung in einem kleineren Bereich umstellen. Drittens: Selbstbehalte einführen. Viertens: medizinische Standards etablieren. Fünftens: eine medizinische Grundversorgung mit mehr Wahlleistungen ermöglichen.

HN: Herr Bader, wir danken Ihnen für das Gespräch.

(wb) / health network

     



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